Nachruf auf "Dorni" , ein Platydoras costatus ,
der mich 26 Jahre lang begleitet hat .
Wie alt mein Dorni hätte werden können , wenn er nicht an einer von Jaguarwels-Importen eingeschleppten Seuche verendet wäre , läßt sich im Nachhinein schwer sagen . Jedenfalls hat er mein Aquarianerdasein 26 Jahre lang verschönert und war damit der am längsten von mir gepflegte Fisch. - Deshalb verdient Dorni auch einen Nachruf ;-)
Die Geschichte begann damit , daß ich im Jahre 1981 als Student an der Uni Kiel Rainer Froese kennenlernte , der zusammen mit einem anderen Biologiestudenten einen kleinen aber feinen Aquarienladen namens "Das besondere Aquarium" in Kiel betrieb. Heute ist Rainer Froese ein renommierter Wissenschaftler am Geomar-Forschungszentrum (damals noch Institut für Meereskunde) an der Uni Kiel. - Rainer sagte mir , er habe einige Fische für mich reserviert , weil er wußte , daß ich ein Amazonas-Fan war. Darunter sei ein "dicker Brummer" von Dornwels und ein Messerfisch. Im Laden schwammen die besagten Fische dann in einem großen Schaubecken. - Ich mußte nicht lange überlegen : die wollte ich unbedingt haben!- So kratzte ich als Student meine letzten Ersparnisse zusammen und war fortan stolzer Besitzer eines damals schon 10 cm großen gestreiften Dornwelses und eines Weißstirn-Messerfisches. - Von Rainer erwarb ich auch meine erste Mischbettharz-Vollentsalzungsanlage gebraucht zu einem Schnäppchenpreis. So konnte ich meinen Amazonas-Fischen biotopgerechte Wasserverhältnisse bieten und auch erstmals mich an Diskusfische wagen.
Der "dicke Brummer" wurde von mir "Dorni" getauft und wurde schon bald handzahm. Er fraß anfangs besonders gerne rote Mückenlarven , später dann fast alles , vor allem hochwertige Boden-Futtertabletten mit FD-Anteilen für fleischfressende Fische. Dornwelse sind nachtaktiv , d.h. ich fütterte stets vor dem Ausschalten des Lichts. Tagsüber verbringen Dornwelse schlafend in ihrem Versteck . Dorni hatte sich einen Unterstand unter einer großen Mangrovenwurzel ausgesucht , den er bisweilen durch lautstarkes Grunzen gegen andere Mitbewohner verteidigte. - Dornwelse können nämlich ihre Schwimmblase als Resonanzkörper zur Erzeugung von lauten Geräuschen nutzen. - In all den Jahren hat er sich niemals an kleinen Fischen vergriffen , was teilweise von anderen Aquarianern behauptet wird. Offenbar ernähren sich gestreifte Dornwelse in der Natur von Insektenlarven ,Würmern, Schnecken,Krustentieren und wahrscheinlich auch von Aas. - Ihr Geruchs- und Tastsinn mit den Barteln ist sehr empfindlich . Dorni konnte z.B. den Geruch einer Futtertablette in 150 cm Entfernung binnen weniger Sekunden wahrnehmen und zielgenau darauf zusteuern. - Im Übrigen sind Platydoras costatus robuste Pfleglinge . Mein Dorni hat z.B. mehrere Umzüge überstanden , während andere Fische , z.B. meine Gruppe von 10 großen Scheibensalmlern Myleus rubripinnis luna , einen Wohnungswechsel im Winter bei Frostwetter nicht überlebt hatten. - Jeder Aquarianer , der schon einmal mit seinen Fischen umgezogen ist , weiß welche logistischen Probleme dabei zu bewältigen sind ...

Wegen der nächtlichen Lebensweise ist es nicht einfach , gute Fotos von Dornwelsen hinzubekommen. - Dennoch veröffentliche ich hier einige Bilder von Dorni , nicht weil ich sie für besonders gut gelungen halte , sondern nur als kleine Erinnerung an einen all die Jahre liebgewonnenen aquaristischen Begleiter. Als ich ihn bekam , war er vermutlich schon ca. 3 Jahre alt , weil die Tiere recht langsam wachsen. Er ist also mit ca. 30 Jahren gestorben und wäre sicher noch wesentlich älter geworden , wenn nicht die unbekannte Seuche ihn vorzeitig dahingerafft hätte.
